1822 wurde im nordwestlichen Mecklenburg ein Wei߬storch erlegt, in dessen Hals ein höl-zerner Pfeil eindeutig afrikanischer Herkunft steckte. Der präparierte Vogel wird seitdem in der „Zo-ologischen Sammlung der Universität Rostock“ museal ver- und bewahrt und ging als „Rostocker Pfeilstorch“ in die Literatur ein.

Im Buch wird neben den näheren Umständen der Erlegung auch der weitere „Lebensweg“ des präparierten Storches bis zur aktuellen Situation geschildert und die wichtigsten Personen der Handlung kurz vorgestellt. Auch Beschreibungen und Abbildungen des Storches aus der prosaischen und der poetischen Literatur werden zitiert.

Der Pfeil konnte geografisch dem mittleren Ostafrika zugeordnet werden. Damit war der Rostocker Pfeilstorch einer der Auslöser für die intensivere Erforschung des Vogelzuges. Bis dahin ging man weitverbreitet noch davon aus, dass die Sommervögel sich den Winter über eingraben, in Gewässern untertauchen oder gar in Mäuse verwandeln. Dass so zierliche Tiere wie z.B. die Rauchschwalben so weite Wege bis ins südliche Afrika und zurück bewältigen, war offenbar unvorstellbar. Das antike Wissen um den Vogelzug (z.B. HOMER, HERODOT, mit Abstrichen ARISTOTELES) hatte sich in Mittel- und Nordeuropa nicht allgemein durchsetzen können bzw. war wieder verloren gegangen. Sogar hochrangige Wissenschaftler wie Carl VON LINNÉ hatten zwar schon sehr moderne Ansichten über den Vogelzug, insbesondere bei Schwalben und Störchen glaubten sie aber noch an die Überwinterung auf dem Grund von Gewässern.

Die Geschichte und die verschiedenen Stufen der Erforschung bzw. des Wissens vom Vogel-zug werden ausführlich und kurzweilig beschrieben und Beispiele früher Individualmarkierungen aufgeführt. Erst durch die Individualmarkierung von Vögeln konnten die Zugwege im Detail geklärt und bewiesen werden. Weitere Kapitel widmet Ragnar KINZELBACH der Herkunft der Pfeile sowie den Gefahren des Vogelzuges.

Auch wenn der Pfeilstorch die Erforschung des Vogelzuges angestoßen und damit das Wis-sen vom Vogelzug vorangetrieben hat, fiel er selbst mehrmals zeitweise dem Vergessen anheim. Insbesondere die Vogelberingung erbrachte soviel Wissenszuwachs, dass der Pfeilstorch nicht mehr interessant genug war.

Der Rostocker Pfeilstorch war weder der erste noch der letzte seiner Art. Insgesamt werden 35 Pfeilstörche aus dem Zeitraum von etwa 1555 bis 2012 mehr oder weniger ausführlich be-schrieben, eine konsequentere chronologische Sortierung wäre hier jedoch übersichtlicher gewesen. Auch andere Vogelarten wie Pfeifschwan, Prachteiderente, Eiderente, Truthahn, Schwarzhals-reiher, Wespenbussard, Schlangenadler und Schwarzmilan wurden in Einzelfällen bereits mit Pfei-len unterschiedlicher Herkunft beobachtet.

 

Fazit: Ein kleines, interessantes Büchlein über einen kleinen, interessanten Aspekt der Vogelzugforschung.

Jens HARTMANN