Nein, diese CD bietet mehr. Die digitalen Möglichkeiten des Audioformates mp3 werden hier voll ausgeschöpft. Neben den Gesängen und Rufen der meisten Arten Westeuro-pas gibt es auch Fotos, Verbreitungskarten und Artbeschreibungen.

 

Jetzt wird sich der eine oder andere fragen: Fotos und Karten zum Hören? Nein, die Fotos und Verbreitungskarten sind als „Plattencover“ in die Audiodateien eingebunden. Und auch die mal mehr, mal weniger ausführlichen Art- und Verbreitungsbeschreibun-gen sind kein Hörbuch, sondern als „Liedtext“ in die Audiodateien eingebunden.

 

Die Dateien können außer auf mp3-Playern auch auf Heimrechnern und Laptops z.B. mit dem Windows Media Player abgespielt werden, das beste Ergebnis in puncto Aus-sehen wird aber auf iPods und iPhones erreicht. Und auf meinem Smartphone mit Win-dows Mobile 6.0 funktionierte die Darstellung der Texte weder im Windows Media Play-er noch auf einem alternativen Player (nur eine falsche Einstellung?).

 

Die „Installation“ ist einfach: Die Audiodateien brauchen nur auf den mp3-Player über-tragen werden. Ob man alle Arten oder nur eine bestimmte Auswahl in eine Wiederga-beliste einbindet, kann dann jeder selbst entscheiden, hier hängen die Möglichkeiten natürlich auch von der verwendeten Hard- und Software ab.

 

Zur Erklärung der Inhalte und Möglichkeiten dienen eine pdf-Datei und eine Einfüh-rungs-Audiodatei. Hier werden neben der Installation und den Möglichkeiten der unter-schiedlichen Software auch die Verbreitungskarten und Häufigkeitsangaben erklärt.

 

Für die meisten Arten stehen zwei Dateien zur Verfügung: Eine mit Gesang, Foto und Artbeschreibung, die zweite mit Rufen, Verbreitungskarte und Beschreibung der Verbreitung.

 

Insgesamt werden 320 Arten behandelt, davon allerdings 46 ohne Stimme. Die meisten dieser Arten ohne Stimme wird man in Westeuropa (abgedecktes Gebiet siehe Abb. auf der nächsten Seite) auch draußen kaum zu Gehör kriegen, sind es doch überwiegend Durchzügler und Wintergäste (z.B. Eistaucher, einige Limikolen, Spatelraubmöwe). Aber leider fehlt die Stimme auch bei ruffreudigeren Arten wie Seeadler, Wanderfalke, Mantelmöwe und den Arten der Vogelfelsen (Basstölpel, Alke). Andererseits sind bei Arten wie Raufussbussard, Falkenraubmöwe, Rötelschwalbe und Waldammer die Ge-sänge zumindest für Westeuropa (und auch Deutschland) eigentlich überflüssig. Und warum bei 11 Arten auf eine Verbreitungskarte verzichtet wurde, ist mir unklar.

 

Insgesamt haben die Vogelstimmen eine Gesamtspieldauer von über sieben Stunden, die Gesangslänge der einzelnen Arten liegt zwischen 0:04 (Kornweihe) und 5:29 Minu-ten (Baumpieper).

 

Bei einigen Gesangsaufnahmen sind andere Vogelstimmen im Vordergrund oder zu-mindest recht laut im Hintergrund. Die zusätzlichen Arten werden zwar bei den Auf-nahmedaten erwähnt, aber nicht immer alle. Hier wäre die Herausfilterung der Neben-stimmen und -geräusche angebracht gewesen, um das Wesentliche insbesondere für Anfänger besser erkennbar zu machen. Auch sind einige Gesänge wesentlich leiser als die anderen, z.B. der Raufußkauzgesang.

 

Systematisch ist die Arteneinteilung auf aktuellem Stand, so sind Raben- und Nebel-krähe, Iberienzilpzalp und Zilpzalp, Wiesen-, Thunberg- und Gelbkopfschafstelze und sogar kontinentaler und fennoskandischer Birkenzeisig („Lesser“ und „Greater Redpoll“) getrennt aufgeführt. Lediglich die Mittelmeermöwe wird noch als Larus cachinnans mi-chahellis bezeichnet, korrekt wäre derzeit Larus michahellis (die Steppenmöwe Larus cachinnans fehlt leider als Vergleich). Tippfehler treten nur vereinzelt sowohl in den Texten als auch in den Dateinamen auf.

 

Mein Fazit: Über den Kauf sollten in erster Linie iPod- und iPhone-Besitzer nachden-ken. Die Einbindung der Fotos, Verbreitungskarten und Texte in die Audiodateien ist auf jeden Fall innovativ. Die Artenauswahl ist für Deutschland meines Erachtens etwas umfangreich, es fehlen aber andererseits die Stimmen nur bei wenigen wichtigen Arten (z.B. Seeadler, Wanderfalke, Vogelfelsen-Arten, einige Limikolen, Mantelmöwe). Eine deutsche Übersetzung würde wohl den Absatz im deutschsprachigen Raum fördern, auch wenn sich der englische Text recht leicht liest.

 

Jens Hartmann