Der um 15 Jahre jüngere Forscher Alexander von Humboldt bezeichnete Georg Forster (1754-94) als „den hellsten Stern meiner Jugend“ und auch Schriftsteller wie Goethe oder Wieland bewunderten ihn sehr. Ursache war der im Jahre 1778 erstmals in deutscher Sprache veröffentlichte Reisebericht jenes vorbildlichen Forschers, der in der „Reise um die Welt“ die Teilnahme an der 2. Weltumseglung 1772-1775 von James Cook beschreibt. Der Autor – bei Reisebeginn erst 17 Jahre jung! – aus Nassenhuben bei Danzig (polnisch Preußen) hatte gemeinsam mit seinem väterlichen Lehrmeister und Reisegefährten Johann Reinhold Forster während dieser Reise mehr von der Welt gesehen als irgendein Deutscher je zuvor! Seine Veröffentlichung war aber nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht eine Sensation, sondern wegen des wunderbaren Schreibstils vor allem aus literarischen Gründen; dies gilt bis heute. Georg Forster war eben nicht ‚nur’ Abenteurer und Forscher, sondern auch ein begnadeter Schriftsteller, später auch Aufklärer und – scheiternder – Revolutionär, der einsam im Pariser Exil starb. Wer sich mit seiner spannenden, schließlich tragischen Biografie beschäftigen möchte, dem sei z.B. die Lebensgeschichte des Georg Forster von Alois Prinz (1997, zuletzt als „insel taschenbuch“ 2008) empfohlen.

Wegen endloser Rechtsstreitigkeiten konnte sein Buch damals kaum illustriert werden. Denn die rund 600 oft erstklassigen botanischen und zoologischen Zeichnungen, die er während der Reise angefertigt hatte, durfte er nicht abdrucken. Sie gehörten ihm nicht mehr und kamen erst sehr lange nach seinem Tode in den Besitz der Öffentlichkeit (Natural History Museum, London); einige wenige gar wurden erst Ende 2007 in Privatbesitz wiederentdeckt. Das sensationelle an der vorliegenden Ausgabe der „Reise um die Welt“ sind denn auch die ca. 100 Abbildungen seiner Zeichnungen, welche hier erstmals in Zusammenhang mit dem Reisebericht gedruckt werden und teils als Klapptafeln großformatig die Detailbesessenheit des Autors bzw. Zeichners belegen. Die Druckqualität ist gut, wenn auch – um das Buch nicht zu dick werden zu lassen – recht dünnes Papier verwendet werden musste und dadurch bei hellen Abbildungen der Text der Rückseite manchmal durchschimmert (wie immer problemlos zu beheben durch Unterlegen eines komplett schwarzen Papierbogens).

 Der Text und die ausführlichen Anmerkungen folgen den Veröffentlichungen 1965-67 von Gerhard Steiner. Der bildmächtige Reisebericht mit seinen philosophischen Reflexionen ist auch heute, 230 Jahre später, noch immer ein hoher Lesegenuss, erst recht in dieser großformatigen und erstmals, wie ursprünglich auch geplant, reichhaltig bebilderten Ausgabe!

Jörg Wittenberg