Alle 783 Singvögel Europas, Nordafrikas und Asiens - sogar einschließlich vieler Ausnahmeerscheinungen - werden hier in einem kleinen, erstaunlich handlichen Band abgebildet und kurz textlich abgehandelt. Auf den rechten Seiten befinden sich auf 80 Farbtafeln die nach ansprechenden Zeichnungen des Autors recht gut gedruckten, wenn auch schematisch-starr nach links blickenden Vögel, immerhin meist beide Geschlechter, links gegenüberstellt meist nur vier Zeilen für jede dieser Arten (Körperlänge; zu wenige Infos zu Merkmalen, Verhalten, Gesang, Ruf, Habitat). Die 705 recht kleinen Verbreitungskarten sind leider am Schluss des Buches zusammengefasst, 12 pro Seite, und erfordern somit ein umständliches Hin- und Herblättern zu den Abbildungen.

 

So ästhetisch sehr reizvoll dieses Büchlein zweifelsohne ist, wofür braucht man es eigentlich? Als Feldführer, als der es vom Verlag groß angepriesen wird, ist es gar zu fragmentarisch (ganz selten Flugbilder, keine Jugend- und Schlichtkleider, nicht alle gut unterscheidbaren Unterarten, oft fehlende Hinweise auf Unterscheidungsmerkmale ähnlicher Arten). Außerdem: Welcher Ornithologe bitteschön hat denn Geld, Zeit und Elan hintereinanderweg z.B. von Spitzbergen über Marokko und Oman nach Kamtschatka zu reisen? Oder war das Buch gar für einen vogelkundlich interessierten Fremdenlegionär in Algerien gedacht, der – wie auch immer – in ein chinesisches Gefangenenlager geraten sollte? – Als illustrierte Artenliste jedoch hätte das Büchlein sehr gut zum Vergleichen der Arten und Unterarten dienen können. Doch dafür ist neben den oben genannten Mängeln die Systematik zu veraltet (fast alle modernen Splits fehlen, wie z.B. bei der Wüstengrasmücke = Balkan- und Balearengrasmücke, beide nicht mal als Unterarten!) und auch die Trivialnamen sind nicht immer die aktuellen, da statt der internationalen englischen die britischen benutzt wurden. –      Dies ist der Singvogelband, vom Autor sowohl verfasst als auch illustriert. Der Nicht-Singvogelband soll folgen.

Jörg Wittenberg